Die Vordereifel 

Geschichtliches und Wanderungen von Joseph Pesch - 1901 

Der Zülpich-Gau 

Das Reich war in Verwaltungsbezirke eingeteilt, die Gaue hießen, aber einen bedeutend größeren Umfang als die Gaue der Urzeit hatten. Durch den häufigen Wechsel der Landesgrenzen zahlreicher Herrschaften bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Spuren der Gaue fast gänzlich verwischt. Da aber fast gleichzeitig mit den Gauen die Diöcesaneinteilung entstand, so lassen sich die Grenzen noch annähernd durch die alten Dekanate ermitteln. Die Ortschaften unseres Gebietes verteilten sich auf zwei Gaue: den Zülpicher Gau und den Ahrgau. 

Zum Zülpicher Gau gehörten folgende Ortschaften unseres Distriktes: Antweiler, Billig, Kalkar, Euskirchen, Flamersheim, Kirchheim, Kirspenich, Rheder, Satzvey, Schweinheim, Stotzheim, Veynau, Wachendorf, Weingarten, Zievel; zum Ahrgau: Rheinbach, Tomburg, Houverath, Kirchsahr, Scheuren, Altenahr. An der Spitze eines Gaues stand der vom König ernannte Graf (Befehlshaber). Er war Heerführer, Richter und Polizeibeamter in einer Person. Die Gaue zerfielen wieder in Hundertschaften. Der Vorsteher einer solchen hieß Centenar (centena = Hundertschaft = Distrikt, der etwa 100 Landgüter umfaßte oder 100 Mann zum Heere stellte.) Den Gemeinden (Dekanien), in welche sich die Hundertschaften gliederten, war der Schultheiß vorgesetzt.

Das erste, was den Franken mit dem neugewonnenen Boden verknüpfte, waren die heimischen Ortsnamen. Sie gaben den neuen Ansiedlungen entweder die vollen Ortsnamen der Heimat, oder die ihnen geläufigen Endungen derselben für die Neubildungen an. So erkennen wir die fränkischen Niederlassungen an den Endungen -heim, -bach, -born, -rath, -hausen, -scheid. Wie aus den Urkunden hervorgeht, sind als erste Niederlassungen die Ortschaften auf -heim zu betrachten (in unsern Distrikten: Stotzheim, Schweinheim, Flamersheim, Kirchheim, Ringsheim), während die auf -rath, -scheid und -hofen erst 12. oder 13. Jahrhundert häufiger werden (Houverath).

Fränkische Funde sind des Öfteren in Euskirchen gemacht worden. So fand man vor einem Jahrzehnt hinter der Pfarrkirche Waffen und Glasperlenschnüre, welche aber verschleudert wurden. Im Jahre 1897 wurden wieder in der Nähe der Pfarrkirche gegen zehn Töpfe gefunden, aus spätfränkischer Zeit des 9. - 10. Jahrhunderts. An der Landstraße nach Kommern, am sog. Hofpfad, wurde im selben Jahre ein beträchtliches fränkisches Gräberfeld aufgedeckt, nachdem schon vorher an dieser Stelle verschiedene fränkische Gräber mit Schwertern, Lanzenspitzen usw. gefunden waren. Die Gräber waren durch Steinkisten gebildet. Die wichtigsten Funde gelangten in das Progymnasium zu Euskirchen. - Beim Ausschachten auf dem Zehnthof fand man in diesem Jahre noch einen jener bekannten Spitztöpfe aus dunkelbraunem hart gebrannten Ton, der fränkischen Zeit angehörend. Er dürfte wohl etwa um das Jahr 850 in der Meckenheimer Töpferei angefertigt worden sein. Vielleicht ist er als Opfergabe bei der Anlage eines Gebäudes in die Erde gelegt worden, wie das zu dieser Zeit üblich war. Durch diesen Fund ist von neuem der Beweis erbracht, daß Euskirchen bereits im 9. Jahrhundert bewohnt war.

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