200 Jahre Donatus-Verehrung bei der Pfarre St. Martin Euskirchen - Maikirmes erinnert noch an Festwoche

Beim Segen vom Blitz niedergestreckt
Kölnische Rundschau vom 21. Januar 1985




Euskirchen/Bad Münstereifel. Die Szenerie war gespenstig. Draußen wütete ein Unwetter größten Ausmasses, Blitze zucken am Morgenhimmel. In der Euskirchener Pfarrkirche St. Martin zelebrierte Jesuitenpater Heerde eine heilige Messe. Plötzlich grellte ein Aufschrei durch die Menge der Gläubigen. Ein Blitz hatte in die Kirche eingeschlagen und traf den Alter. Die Tücher fingen gleich Feuer. Der Pater stand ebenfalls in hellen Flammen.

Diese Begebenheit wird aus dem Jahre 1652 berichtet. Die Gläubigen gehörten zu einer Prozession, die mit den Gebeinen des Heiligen Donatus auf dem Weg nach Münstereifel war. Über 100 Jahre später wurde in St. Martin das Donatusfest eingeführt. Mit gutem Grund.

Denn der Jesuitenpater, der damals vom Blitz getroffen worden war, wurde wie durch ein Wunder wieder geheilt, nachdem er zum Donatus, dem Schutzpatron gegen Blitz und Unwetter, gebetet hatte. Eine ganze Woche lang wurde über viele Jahrzehnte hinweg des "Wunders von Euskirchen“ mit einem Fest gedacht, von dem heute nur noch die Maikirmes übrig geblieben ist.

Von der Öffentlichkeit kaum bemerkt, jähre sich im vergangenen Jahr der Tag zum 200. Mal, an dem das Donatusfest in Euskirchen zum ersten Mal gefeiert worden war. Heute beschränkt man sich in der Pfarre auf nur einen Festtag, an dem der Schutzpatron verehrt wird.

Erhalten ist auch noch die Statue des heiligen Donatus




Die Monstranz, in der sich die Reliquie befindet.
Fotos: Eckstein

Dabei hatte es viel Mühe und Aufwand gekostet, anno 1784 das Fest erstmals feiern zu dürfen. Die Geschichte um den Heiligen Donatus reicht aber noch viel weiter zurück, nämlich ins 2. Jahrhundert nach Christi Geburt.

Donatus war seinerzeit ein römischer Hauptmann unter Kaiser Marc Aurel (161 bis 180 n.Chr.). Bei einem der Feldzüge war es um die siegreichen Römer gar nicht so gut bestellt. Die Legionen mußten damit rechnen, eine Schlappe hinnehmen zu müssen. Laut der Legende hatte eine drückende Hitze die Soldaten an diesem Tage vor Durst schmachten lassen.

Als das Bitten um den Sieg und Wasser bei den römischen Göttern nicht half und die Schlacht schon als verloren galt, bat man Hauptmann Donatus zum Christengott zu beten. Wie aus Überlieferungen hervorgeht, soll der Römer dann auch zu Gott gebetet haben, worauf ein gewaltiges Unwetter über die Feinde der römischen Feldscharen herniederging.

Den Legionen des Donatus dagegen wurde ein erquicklicher Regen beschert. Auf diese Weise kamen die Römer dann zu guter Letzt doch noch zu ihrem Triumph. Die Kunde soll sich schnell herum gesprochen haben und Donatus wurde ein angesehener Mann. Aufgrund seiner Verdienste um das römische Reich sollte Donatus einige Jahre später fürstlich belohnt werden. Der Kaiser wollte dem Hauptmann seine Enkelin zum Weibe geben. Als Donatus dieses Angebot ablehnte, fiel er in Ungnade und damit auch sein Kopf. Von seiner Mutter wurde er in der Katakombe der Heiligen Agnes in Rom beigesetzt.




Ins Gespräch kam der Heilige Donatus erst wieder im 17. Jahrhundert. Im Zuge der Freilegung der Katakomben durch die Jesuiten wurde auch das Grab des Donatus geöffnet. Die Reliquien wurden dem General der "Gesellschaft Jesu" wie sich die Jesuiten nennen zum Dank übergeben. Just zu dieser Zeit hatten die Jesuiten damit begonnen, in Bad Münstereifel eine Kirche zu erbauen. Der Jesuiten General beschloss die Gebeine des Donatus jenen Patern zu übergeben.

Die Reliquie wurde versiegelt und nach Köln verschifft, wo Jesuiten sie in Empfang nahmen. Mehrere Tage brauchte die Prozession bis zum Bestimmungsort der Reliquie. Am vorletzten Abend wurde dann in der Pfarre St. Martin in Euskirchen Rast gemacht.




Als Jesuitenpater Heerde am Morgen während eines schrecklichen Gewitters die Frühmesse zelebrierte und sich umdrehte, um den Gläubigen den Segen zu erteilen, wurde er vom Blitz getroffen und sank wie gelähmt nieder. Da die Gebeine des Donatus aber nach Münstereifel gebracht werden mußte, zog die Prozession weiter und ließ den sterbenden Pater zurück.

Daraufhin soll der Jesuiten pater zum Heiligen Donatus gebetet haben, worauf er sogleich wieder gesundete. Dies war das "Wunder von Euskirchen". Der Pater machte sich auf den Weg nach Münstereifel. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Wunder bereits wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Fortan kamen Tag und Nacht Gläubige nach Münstereifel, um den Heiligen Donatus zu verehren. Von der Stirnseite der alten Jesuitenkirche grüßt noch heute das Standbild des Heiligen, im Hochaltar ruhen seine sterblichen Überreste

Zur Abwehr der Blitzgefahr für den überragenden Turm der St. Martin-Kirche bemühte sich vor nunmehr über 200 Jahre die Bürgerschaft, von den Münstereifelern eine Reliquie des Heiligen Donatus zu bekommen. Jahrelang gingen die Verhandlungen fruchtlos aus, bis der Wunsch der Euskirchener am 14. Juli 1783 erfüllt wurde. Wenige Monate später wurde es der Euskirchener Pfarrgemeinde dann erlaubt, alljährlich das Donatusfest zu feiern.

Noch heute ist die Pfarrgemeinde im Besitz der romanischen Strahlenmonstranz, in dem die Reliquien des Donatus aufbewahrt werden. Eine Statue des Heiligen besitzt die Kirche ebenfalls noch. Diese Figur ist links vom Altar aufgestellt.

Seit 200 Jahren wird in St. Martin das Donatusfest gefeiert.




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